Wechselkennzeichen entpuppt sich als großer Reinfall

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Mit großer Begeisterung wurde die Einführung des Wechselkennzeichens in Deutschland erwartet. Doch bereits vor Schaffung der gesetzlichen Grundlage stand bereits fest, dass der große Ansturm ausbleiben und sich das neue Kennzeichen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Rohrkrepierer entwickeln wird. Genauso ist es letztlich auch gekommen, denn der finanzielle Anreiz ist zu gering.

Seit vielen Jahren haben sich Kraftfahrer, Autoclubs und Verbände für die Einführung des Wechselkennzeichens in Deutschland stark gemacht. Im vergangenen Jahr war die Freude daher groß, als endlich klar war, dass das zusätzliche Kennzeichen tatsächlich kommen wird. Vor allem bei denjenigen, die neben ihrem Erstfahrzeug noch ein Cabrio oder einen Oldtimer besitzen, war die Begeisterung groß, denn häufig werden solche Fahrzeuge relativ selten bewegt, weshalb ein Wechselkennzeichen große Vorteil bieten würde.

Das eigentliche Prinzip des Wechselkennzeichens könnte einfacher nicht sein. Es ist vorgesehen, dass ein Kennzeichen für zwei Fahrzeuge genutzt werden darf. Das Kennzeichen darf immer nur an einem der Pkws angebracht sein, wodurch die Nutzung zugleich auf ein Fahrzeug beschränkt wird. Als Vorbild sollte das österreichische Modell dienen. Dort wird im Grunde ebenfalls so verfahren – und die Teilnehmer profitieren davon, dass sie Kfz-Steuer und Versicherung nur für ein Fahrzeug entrichten müssen.

Neues Kennzeichen bleibt weiter hinter den Erwartungen zurück

Inzwischen steht fest, dass das Wechselkennzeichen wohl eher als Flopp zu bezeichnen und nichts anderes als ein großer Rohrkrepierer ist. Der Grund ist simpel: Die Kraftfahrer nehmen die neu geschaffene Möglichkeit nicht wahr. Zwar gibt es inzwischen Fahrzeuge mit entsprechender Zulassung, allerdings bleiben diese weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück.

Die meisten Amtsleiter und Sachbearbeiter zeigen sich enttäuscht. Die Bilanz fällt eher ernüchternd aus, da nur wenige Kennzeichen beantragt werden. Noch größer ist die Enttäuschung bei den Versicherern, immerhin haben sie extra neue Tarife eingeführt. Nun sind die Tarife da, doch kaum jemand will sie haben.

Gründe für den ausbleibenden Erfolg

Noch bevor die Wechselkennzeichen verfügbar waren, stand bereits fest, dass sie sich nicht zum Kassenschlager entwickeln werden. Die Rahmenbedingungen, die von den involvierten Politikern festgelegt wurden, entsprachen nicht den Vorstellungen der Initiatoren. Vorrangig sollte das Wechselkennzeichen den Haushalten dabei helfen, ihre Ausgaben zu senken. Doch genau diese Möglichkeit wurde frühzeitig gestrichen.

Auf den ersten Blick ist diese politische Entscheidung vollkommen unverständlich. Immerhin ist die Bundesregierung dafür bekannt, dass sie der deutschen Automobilindustrie gerne unter die Arme greift. Die Autohersteller hätten sich gefreut, denn sicherlich wäre das von den Bürgern gewünschte Wechselkennzeichen für so manchen Autofahrer ein Anlass gewesen, ein weiteres Fahrzeug anzuschaffen.

In diesem Fall hat sich die Regierung jedoch anders entschieden, die Einführung des ursprünglich geplanten Wechselkennzeichens hätte zu einem Wegfall von Steuereinnahmen geführt. Finanzminister Schäuble intervenierte daher schon früh und boxte seine Interessen schlussendlich durch. Das Ergebnis: Der Steuervorteil wurde gänzlich gestrichen, Fahrzeughalter können mit dem Wechselkennzeichen daher nur bei der Kfz-Versicherung profitieren.

Finanzvorteil bei der Kfz-Versicherung ist überschaubar

Doch genau hiermit möchten sich viele Interessenten nicht zufrieden geben. Zwar lässt sich mit dem Wechselkennzeichen gegenüber zwei konventionellen Zulassungen immer noch eine Ersparnis erzielen, allerdings ist diese oft kaum stattlich bemessen. Gleichzeitig existieren deutliche Einschränkungen bei der Nutzbarkeit. Viele Kraftfahrer sagen sich daher, dass sie ihre Autos lieber einzeln zulassen, um dann keine Einschränkungen beim Fahren in Kauf nehmen oder gar ständig die Kennzeichen austauschen zu müssen.

Das Fazit fällt daher nüchtern aus: Das Bundesfinanzministerium hat es geschafft, das Wechselkennzeichen um einen seiner großen und zugleich entscheidenden Vorteile zu berauben, wodurch es letztlich unattraktiv geworden ist. Der große Ansturm auf die neuen Kennzeichen ist ausgeblieben und wird – sofern sich die Rahmenbedingungen nicht ändern – auch nicht mehr einsetzen. Die Politik sollte daher handeln und nachbessern, ansonsten wäre es denkbar, dass das Wechselkennzeichen aufgrund der geringen Nachfrage in einigen Jahren wieder verschwindet.

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